Feb 29 2012

Pusherkolonnen

Eine Absolute Unart des zwanzigsten Jahrhunderts sind die sogenannten Pusherkolonnen. Kleine Rudel, ausgebildeter Vertriebler, die den ganzen Tag auf Beutezug durch die Stadt streunen. Diese aggressiven Truppen sind wie kleine Stoßtrupps der Verkaufsabteilungen großer Konzerne. Interne Wettstreite heizen die Stimmung an und lukrative Belohnungen durch die Arbeitgeber machen den Wettbewerb im Vertrieb so hart wie noch nie. Wie arbeiten die Kolonnen und was treibt sie dazu?

Das System

Wie so oft im Leben ist auch in diesem Fall das System schuld an einem Missstand. Die großen Vertriebsabteilungen der Konzerne müssen für ein Wachstum sorgen. Was Wachstum heißt: Mit den gleichen Ressourcen mehr Verkäufe generieren. Oder: Mit weniger Ressourcen gleich viele Verkäufe generieren. Dieses System geht am Anfang gut. Jeder kann noch ein bisschen was drauflegen und sich noch mehr ins Zeug legen. Wer allerdings schon am Ende seiner individuellen Möglichkeiten angekommen ist, der muss sich was einfallen lassen. Dieser Vertriebsdruck im Nacken eines jeden Vertrieblers ist manchmal so hoch, dass viele Anstand und Moral vergessen. Früher war eine attraktive Provision Anreiz genug, seine persönliche Produktivität zu steigern. Heute sind die Wachstums- und Umsatzziele von oben so absurd, dass sie auf legalem Wege kaum noch umzusetzen sind.

Die Methoden

Was da passiert? Sky Verkäufer kommen in Gruppen von bis zu 4 Leuten an eine Tür. Sie klingeln unter dem Vorwand: „Wir sind von Kabel Deutschland. Sie haben gewonnen. Wir müssen bei Ihnen eine Box für den Empfang neuer Kanäle installieren. Nach einem Monat holen wir die Box ab und werten die Ergebnisse aus.“ Diesen Monat können und sollen Sie das Programm so normal wie möglich nutzen. Bitte hier unterschreiben, dass wir da waren.“. Zack. 24 Monate Laufzeit. Pech gehabt. Solche und andere Methoden werden in allen Door to Door Vertriebskolonnen genutzt, um die völlig unrealistischen Vertriebsziele der Vorstände und Aktionäre zu erfüllen. Tolle Aktion.

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